Psychische FaktorenEine Schwangerschaft ist eine intime und private Erfahrung im Leben einer Frau, es ist die Übergangsphase von Frausein zu Muttersein. Olbricht beschreibt das Muttersein als ein Erleben von Grenzen, das von den Naturgesetzen gelenkt wird. Die spezifische weibliche Erfahrung ist die Geduld im Hinblick auf das Wachstum des Kindes im Leib einer Frau und die Veränderung im Hinblick auf die Trennung von dem Kind nach der Geburt. Dies ist die Grenzerfahrung, die eine Mutter durchläuft.Gloger-Tippelt hat den typischen Schwangerschaftsablauf beschrieben:
Bei Frauen fanden sind während der Verunsicherungsphase Ängste hinsichtlich der kommenden körperlichen Veränderung, der sexuellen Identität, über die erwartende Veränderung der Partnerbeziehung, die Unterbrechung der beruflichen Tätigkeit und die materielle Situation in der Zukunft. Während der Anpassungsphase begleiten die schwangere Frau die belastende Umstellung des Organismus, starke Müdigkeit und morgendliche Übelkeit. Insbesondere sind Ängste vorzufinden vor einem behinderten und toten Kind, vor der Geburt, vor Wehenschmerzen oder Komplikationen, einem nicht steuerbaren biologischen Vorgang ausgeliefert zu sein. Das Erleben der Schwangerschaft kann je nach der individuellen Lebensgeschichte und der Erfahrungen der Frau als bereichernd oder als belastend empfunden werden. Der Zeitraum unmittelbar nach der Geburt ist für Mütter mit Verlust, Verantwortung und viel Arbeit verbunden. In der Zeit der Umstellung des Hormonhaushaltes, die eine Zeit der Regenerierung und Heilung bedeutet, führt es bei vielen Müttern zum Abschied, zur Traurigkeit, zur Erschöpfung bis zu Depressionen. Im ersten Jahr nach der Geburt sind Frauen einem höheren Risiko ausgesetzt psychiatrisch zu erkranken, als in allen anderen Lebensphasen. Die Gemütszustände einer Mutter nach der Geburt lassen sich grob in drei verschiedene Kategorien unterteilen: das postpartale Stimmungstief (Baby-Blues), die postpartale Depression und die postpartale Psychose (Wochenbettpsychose). Diese Gruppen stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern gehen oft fließend ineinander über. Das postpartale Stimmungstief tritt in den ersten 10 Tagen nach der Geburt auf und betrifft etwa 50 bis 80 % der Mütter. Typische Symptome hierfür sind: Traurigkeit, Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit. Diese Phase dauert in der Regel nur einige Tage. Die postpartale Depression kann jederzeit in dem ersten Jahr nach der Geburt entstehen und betrifft etwa 10 bis 20 % der Mütter. Diese Phase kennzeichnet sich durch die Angst und die Überzeugung der Mutter, der Versorgung des Kindes nicht gewachsen zu sein. Weitere Symptome sind: innere Leere, Schuldgefühle, sexuelle Unlust, Zwangsgedanken (destruktive Vorstellungen), ambivalente Gefühle dem Kind gegenüber und psychosomatische Beschwerden. Die postpartale Psychose entsteht vorwiegend in den ersten zwei Wochen nach der Entbindung. Sie gilt als die schwerste Form der nachgeburtlichen Krise und kommt etwa bei einer bis drei von 1000 Müttern vor. In dieser Phase kann es zur Verworrenheit, zu Angstzuständen bis hin zu Wahnvorstellungen kommen. Mütter können auf die Idee kommen sich selbst oder dem Kind etwas anzutun. Diese Art von Erkrankung bedarf einer medikamentösen und stationären Behandlung. Abschließend ist hinzuzufügen, dass eine Frau auch schon während der Schwangerschaft Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für das Kind übernehmen muss, indem sie sich beispielsweise richtig ernährt, schädliche Aktivitäten meidet und Vorbereitungskurse besucht. Die Umstände, die mit der Gebärdenfähigkeit und der Schwangerschaft verbunden sind, könnten einen Einfluss der Sozialisation begründen. Das Sanftsein, das Fürsorglichsein und harmoniefördernde kennzeichnen seit Jahren das Weibliche. Dieses Gebilde entspricht einer Familienorientiertheit, sodass die weibliche Natur ihren Teil zur geschlechtsspezifischen Sozialisation beiträgt. |
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