Wehen
Die aktiven WehenIm Gegensatz zu den frühen Wehen sind die nun zu durchlebenden Strapazen nur mit größter Hingabe und Leidenfähigkeit zu überstehen. Am Ende dieser Periode kann bereits der beginnende Gebärvorgang einsetzen, es kann sich jedoch auch noch in das nächste Stadium verlagern. Sobald sie über den Zeitraum von einer Stunde alle 5 Minuten wiederkehrende Krämpfe von jeweils ca. 60 Sekunden Länge erleiden, sollten sie sich zeitnah in ärztliche Obhut begeben. Warten sie dabei lieber nicht zu lange um einen hektischen Transport zu vermeiden. Stress ist das letzte, was sie in dieser Situation gebrauchen können. Die Schübe werden nun immer häufiger und folgen letztendlich in einem Intervall von 150 bis 180 Sekunden. Nicht jede Geburt verläuft in dieser Hinsicht gleich: Einige Schwangere haben bis zum Beginn des Pressvorgangs ausschließlich Krämpfe in fünfminütigen Abständen. Wie lange dauert diese Phase? Obwohl die Dauer der aktiven Wehen sehr stark schwankt, lässt sich ein Mittelwert von ca. 6 Stunden feststellen innerhalb dessen sich der Gebärmutterhals von 4cm auf 10cm und weitet und damit die vollständige Dehnung erreicht. Bei der Verabreichung von Sauerstoff verkürzt sich dieser Zeitraum ggfls. deutlich, bei einer örtlichen Betäubung hingegen verlängert er sich ebenso deutlich. Für Frauen, die nicht zum ersten mal gebären, kann diese Phase ebenfall sehr viel kürzer ausfallen. Wie verbringe ich die Zeit am besten? Atemübungen und Entspannungstechniken sowie ein gut ausgebildeter Beistand können jetzt sehr helfen, die Zeit wesentlich leichter zu überstehen. Darüberhinaus helfen Massagen und nicht zu vergessen: liebevolle Zurede eines nahenstehende Menschen, im Idealfall der dazugehörigen Mann. Schließlich hat er sie ja in diese missliche Lage gebracht;) Im Krankenhaus angelangt, sollten sie die Möglichkeit haben, etwas umherzulaufen. Das kann Entspannung verschaffen und die Zeit ein wenig schneller vergehen lassen. Achten sie jedoch darauf, dass sie jederzeit die Gelenheit haben, sich abzustützen. Ein fürsorglicher Begleiter kann diese Funktion am besten erfüllen. Bei Erschöpfung sollten sie sich in ein Bett legen können, wo sie idealerweise auf der linken Seite liegen. Ein Schaukelstühl ist, falls vorhanden, auch eine alternative und kann unter Umständen weitere Entspannung verschaffen. Fall sie sich noch nicht für oder gegen die Einnahme schmerzunterdrückender Medikamente entschieden haben, ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen. Für Fragen hinsichtlich dieser Entscheidung steht ihnen gerne eine Ärztin bzw. ein Arzt zur Verfügung ebenso wie für die Beantwortung weiterer Fragen. Eine gute Ärztin bzw. ein guter Arzt nimmt sich in diesem Moment Zeit und trägt dazu bei, sie zu beruhigen und ihnen die bevorstehende Zeit zu erleichtern. Die Phase des ÜbergangsDer letzte Teil der aktiven Wehen (wenn sich der Gebärmutterhals von 8cm auf das Maximum von 10cm weitet) wird als Übergangsphase bezeichnet. Gemeint ist der Übergang von der ersten Phase der Wehen zur zweiten Phase des Pressens, die zweifelsohne den intensivsten Teil des gesamten Geburtsvorgangs darstellt. Die Krämpfe werden sehr heftig, wiederholen sich alle 150 bis 180 Sekunden und halten dabei bis zu 60 Sekunden an. Die Erholung zwischen den einzelnen Schüben wird also immer geringer und es stellt sich langsam aber sicher ein extremes Gefühl der Anspannung ein, das von vielen Frauen mit Schüttelfrost verglichen wird. Zum Ende der Übergangsphase, wenn der Gebärmutterhals die größte Öffnung erreicht hat, beginnt das Baby bereits, langsam in Richtung des Beckens zu wandern, was sich normalerweise durch Druck im Rektalbereich zeigt. Die damit verbundenen Schmerzen machen es immer schwerer, die Fassung zu wahren, was allerdings auch nicht ihr Hauptaugenmerk sein sollte. Vielmehr sollten sie versuchen, sich voll auf ihr Kind zu konzentrieren und sich nicht darum zu sorgen, welche Figur sie bei der ganzen Prozedur abgeben. Im schlimmsten Falle kann es in diesem Stadium zu beachtlichem Blutverlust kommen, was wiederum Übelkeit und Erbrechen zur Folge haben kann. Spätestens nehmen die Dinge ihren Lauf und die Kontrolle ist verloren - Es gibt kein zurück mehr, also blicken sie nach vorne und nutzen jede Sekunde der Ruhe um Kraft zu sammeln. PressphaseZu Beginn dieser Phase lassen die Krämpfe kurzzeitig nach und sie sollten ihre Kräfte sammeln für die bevorstehenden Strapazen. Viele Schwangere empfinden diesen Teil der Geburt als geringere Anstrengung wobei das Gefühl des Pressens ebenfalls von vielen Schwangeren als unangenehm bezeichnet wird. Um das Pressen geht es nun in jeder Hinsicht. Anfänglich haben sie nur den mehr oder weniger unfreiwilligen Drang zu pressen. In der Folgezeit allerdings beginnt ihr Uterus immer mehr zu kontrahieren wobei er das Baby immer weiter im Geburtskanal hinabdrückt, was im Idealfall zu einem guten Rythmus führt. In diesem Rythmus des Pressens und Entspannens kann es für sie angenehmer sein, sich etwas mehr Zeit zu lassen. Das sollten sie klar zum Ausdruck bringen und sich nicht durch "zu gut gemeinte" Anleitung des Pflegepersonals unter Druck setzen lassen. Die Geschwindigkeit mit der das Baby den Geburtskanal hinabwandert hängt zum einen davon ab, ob es ihre erste Geburt ist oder ob sie bereits zum wiederholten Male das Vergnügen haben. Zum anderen ist das Ergebnis der Kontraktion des Uterus in Kombination mit ihren eigenen Pressbemühungen sehr individuell und kann dementsprechend unterschiedlich ausfallen. Außerdem helfen professionelle Geburtshelfer, dem Kind (und damit auch ihnen) einen möglichst reibungslosen Weg zu bereiten. In den Phasen der Entspannung zieht sich der Kopf des Babys wieder leicht zurück, was eine "zwei-Schritte-vor-ein-Schritt-zurück"-Taktik notwendig macht. Es kann ihnen unter Umständen sehr helfen, immer wieder die Position zu verändern und dadurch eine bessere lage zu erlangen. Es ist durchaus üblich, wären dieses Stadiums verschiedene Positionen auszuprobieren. Das Gefühl des Pressens wird immer stäker und mit jeder Kontraktion wird mehr und mehr vom Kopf des Kindes sichtbar. Gleichzeitig kann es nun sinnvoll sein, den Geburtsvorgang etwas zu verlangsamen und die Pressbewegungen etwas zu reduzieren um ihre Verletzungsgefahr durch zu plötzliche Beanspruchung zu verringern. Diese Aufgabe wird ihnen allerhöchste Konzentration und Anstrengung abverlangen und sie werden dabei keuchen und stöhnen. Spätestens jetzt haben sie alles um sich vergessen und sind alleine mit sich und ihrem fast Neugeborenen. Der Moment wenn der Kopf vollständig aus dem Vaginalbereich herausragt und Stirn, Nase, Mund und schließlich das Kinn zu sehen sind, ist selbst wie eine kleine Geburt. Die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt wird nun kurz einen Blick auf Mund und Nase werfen um ggfls. Schleim abzusaugen und feststellen, wo genau sich die Nabelschnur befindet. Falls sich die Nabelschnur um den Hals gewickelt haben sollte besteht kein Grund zur Panik. Die Ärztin bzw. der Arzt und die behandelnden Schwestern wissen, was zu tun ist und haben ihr Vertrauen verdient. Anschließend dreht sich der Kopf des Kindes zu Seite um die Schultern innerhalb ihres Beckens in die richtige Position zu bringen. Mit dem nächsten Schub wird man versuchen, die Schultern herauszubewegen um schließlich den gesamten kleinen Körper in eine neue Welt zu ziehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Dort angekommen, wird Neugeborenes zügig getrocknet und anschließend in ein wärmendes Tuch gehüllt um schließlich mit einem unbeschreiblichen Gefühl auf ihrem Bauch zu liegen, Haut an Haut, so nahe wie sich zwei Menschen nur sein können. Diesen Augenblick werden sie nie vergessen und sich immer wieder gerne daran zurückerinnern. Das unfassbare Glück des neuen Lebens und die Erleichterung und Entspannung nach langen schmerzvollen Stunden werden sie in ihrer Erinnerung immer begleiten. Animation einer GeburtDiese schöne Animation von 3D Medical Animation zeigt eine normale Vaginalgeburt mit allen beschriebenen Phasen. |
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